Multimediales Lernen Teil 3: Kognitive Belastungen regulieren

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Multimediales Lernen

Teil 3: Kognitive Belastungen regulieren


In unseren letzten beiden Blogbeiträgen zum multimedialen Lernen haben wir die Relevanz des Einsatzes von unterschiedlichen Lernmedien thematisiert. Im zweiten Teil wurden Lernstrategien vorgestellt und es wurde berichtet, wie die Nutzung der Strategien durch den Aufbau einer multimedialen Lerneinheit unterstützt werden kann.

Wir haben außerdem festgestellt, dass im Gedächtnis Zusammenhänge zwischen Wissenseinheiten und Erfahrungen in einer organisierten Wissensstruktur gespeichert werden, einem sogenannten Schema. Im gesamten Lernprozess geht es immer um die Aufnahme neuer Informationen in vorhandene Schemata oder die Anpassung von Schemata an neue Erfahrungen. Da die menschliche Informationsverarbeitung selektiv verläuft, können Menschen jedoch nicht alle Informationseinflüsse auf einmal erfassen, sondern lenken ihre Aufmerksamkeit auf schemarelevante Lerninhalte. Dazu bedarf es Kapazitäten.

Doch welche Kapazitäten werden gebraucht und was genau leistet das Gedächtnis eigentlich während der Wissensaufnahme und -verarbeitung? Und wie können wir die kognitiven Belastungen des Arbeitsgedächtnisses bei der Trainingsentwicklung möglichst geringhalten? In diesem Blogbeitrag möchten wir in die kognitionspsychologischen Hintergründe des Lernprozesses eintauchen.

Die Cognitive Load Theory differenziert die Kapazitäten des Arbeitsgedächtnisses in drei Quellen kognitiver Belastung (cognitive load):

  • Intrinsic Cognitive Load,
  • Extraneous Cognitive Load und
  • Germane Cognitve Load.

Der Intrinsic Cognitive Load basiert auf dem Schwierigkeitsgrad und der Komplexität des Lernmaterials. Ist das Lernmaterial inhaltlich komplex, also müssen die Lernenden Zusammenhänge zwischen einzelnen Elementen konstruieren, um Sachverhalte zu verstehen, so ist der Intrinsic Cognitive Load hoch. Demnach ist er gering, wenn die Lernenden die einzelnen Lerninhalte separat lernen können, ohne sie in übergeordnete komplizierte Prozesse einordnen zu müssen.

Der Extraneous Cognitive Laod ist eine kognitive Belastung, die sich aus der Gestaltung und Darbietung des Lernmaterials ergibt. Diese Belastung hält sich gering, wenn die Lernenden unter geringem Ressourcenverbrauch alle lernrelevanten Informationen schnell und in leicht verständlicher Form erfassen können. Müssen die Lernenden jedoch hohe mentale Anstrengung aufbringen, um die relevanten Informationen aus dem Lernmaterial zu entnehmen, fällt der Extraneous Cognitive Laod hoch aus.

Der Germane Cognitive Load kann im Gegensatz zum Extraneous Cognitive Load nur indirekt von der Gestaltung des Lerninhalts beeinflusst werden. Er bezeichnet die nötige lernrelevante Belastung, die im Lernprozess zur Speicherung der Inhalte und der Konstruktion von Schemata aufgewendet werden muss. Folglich ist es das Ziel, den Germane Cognitive Load möglichst hochzuhalten, indem tiefgründige Auseinandersetzungen mit dem Lernmaterial ermöglicht werden.

Alle drei Komponenten der kognitiven Belastung werden als additiv angenommen und haben einen bedeutenden Einfluss auf die zentrale Belastung des Arbeitsgedächtnisses und somit auch auf das Verstehen und den Lernerfolg. Die zentrale Idee der Cognitive Load Theory ist es, durch passende instruktionale Maßnahmen bei der Konzeption multimedialer Lerneinheiten eine Entlastung des Arbeitsgedächtnisses herzustellen und somit die Speicherung und Organisation von Informationen im Langzeitgedächtnis zu unterstützen.

Der Intrinsic Cognitive Load hängt stark vom Vorwissen der Lernenden ab. Im Sinne einer geringen Belastung sollten sich neue Lerneinheiten daher am aktuellen Wissensstand der Lernenden ausrichten. Um den Extraneous Cognitive Load möglichst gering zu halten, sollte beispielsweise die Darbietung von irrelevanten Informationen vermieden werden. Wenn der Intrinsic Cognitive Load gering ist und die Gestaltung der Lerneinheit einen geringen Extraneous Cognitive Load erwarten lässt, dann kann der Germane Cognitive Load den Lernerfolg und die Lernmotivation verbessern.

Daraus ergibt sich:

  


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SANDRA KRÜGER

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